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Dieser Blog ist ein Sammelsurium von Gedichten.

Freitag, 6. Januar 2012

Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren IV

Nur eine Frage der Zeit - nicht. Was ich lange für zählbar, ja abgelaufen hielt, ist zum Wegesrand verkommen. So viel davon, unzählbar. Ich kann nicht mehr verstehen, wie ich früher stets aufwachte im Glauben an den letzten Tag. Ich lebte in Endlichkeit und nun sterbe ich in Zeitaltern. Ironie? Ich will nicht an einen Plan glauben und darüber lachen kann ich nicht.
Letztes, verwestes Fleisch fällt von meinen Rippen, gesellt sich zum Gekröse mit dem ich einst durch die Straßen zog. Der Wind zieht durch meine Knochen und hinterlässt ein leises Zischen, wie das Warnen eine Mutter an ihr Kind, wenn es sich nicht an die Regeln hält. Zum Windspiel verkommen - ein schlecht erzählter Witz am Rand einer Beerdigung.
Bin ich es, dem all diese Momente gehören, sie alle zu wissen, ein Leben von Gutenachtgeschichten, die ich mir selber vorlese wie ein Dankesgebet bei erfolgreicher Ernte. Was ist der Tod, als eine gefüllte Scheune - Heu machte keinen Unterschied von wann, der Haufen wächst - alles vermnischt sich. WANN wird egal, DAS wird wird zum Maßstab.

Seifenblasen im Regen.

Wurden die Jahre kürzer, weil mehr passierte oder vieles inzwischen egal war? Gegen Kitzeln unempfindlich gewordene Stellen meiner Wahrnehmung vermindern die Macht des Augenblicks. Geschmack von Gewöhnung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Sie wurden ausgeplündert, vergewaltigt und mit Dreck beworfen. Bitte geben Sie Ihren Stolz am Ausgang ab und drehen Sie sich nicht um.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre verbliebene Zeit

(müsste K.)

Sonntag, 1. Januar 2012

Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren III (diese Zigarette dauert ewig)

Es war nichts weniger als mangelnde Vorraussicht. Es hätte alles so klar sein können, hätte ich die Tugend bewiesen, einfach für zehn Minuten nachzudenken. Statt dessen setzte ich wie immer auf blindes Vertrauen, weil ich das - heute immernoch - für ach so edel halte.
Später würde sie zu mir sagen, sie hätte schon in der ersten Nacht mit mir geschlafen, hätte sie nicht ihre Regel gehabt. Sie war damals nicht alleine. Jemand, der zu so etwas fähig ist wird nicht bei dir bleiben. Zwietracht versteckt sich auch unter blonden Haaren.
Umso länger ich darüber nachdenke, komme ich nur zu dem Schluss, dass alles seit dem Geschehene an diesem letzten Nachmittag mit ihr begann. Niemand außer ihr ist der Grund, warum ich hier hänge. All die Fehler, von denen sie mich abgehalten hätte. Die Dinge, die sie mir verboten hätte zu sagen. All die Blicke von denen ihre Anwesenheit mich abgelenkt hätte. Ihr Weggang machte mich zum Kreisel zwischen Leben, die wir einst Freunde nannten. Sie verließ nicht nur mich - sie ging von uns allen.
War es Geld? Sie war nie verwöhnt, nur an einen Standard gewöhnt, den ich ihr nicht bieten konnte. Jetzt hat sie es sicher besser. Ich war rund und zufrieden geworden; das ist immer die Gefahr. So wurde ich das Opfer der schwerer wiegenden Contraliste. Verdient - verdorben, in die Schwaden von Tabak verbannt.
Wenn ein Mensch im Stande ist, dir all das zu nehmen, was du voher nicht hattest, bekommst du Zweifel an deiner eigenen Volständigkeit. Warum hast du das gemacht? Ich habe zu viel Zeit in eigener Schuld verbacht, als dass ich dir je vergeben kann. Du hast mich zurück gelassen als Opfer deiner Zuneigung - im Suchen nach Ersatz.

tbc.

(müsste K.)

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Pünktlich zu Weihnachten

Mein erstes Buch:

Es ist vollbracht:

http://www.amazon.de/Ich-bin-die-Mauer-Gedichte/dp/3862376613/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1324465639&sr=8-1

Danke an alle, die das möglich gemacht haben!

(müsste K.)

Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren II

In jeder Kunst kann man Meister werden, sollte man aber nicht - in jeder. Nicht alles wird zur Tugend. Nicht alles trägt Früchte.
Verrat. Ich wurde verraten. Nicht wie ein Geheimnis, das man sich zuflüstert, nicht wie das Versteck von Anne Frank. Verschwiegendheit an der falschen Stelle. Reden wenn es nicht sein darf, wer blickt da noch durch? Ist ein Geheimnis in jedem Falle schützendwert oder gibt es ähnlich einer Notlüge auch eine Notwahrheit?
Ist also Verrat nicht per se schlimm. Heiligt hier der Zweck die Mittel, besonders wenn es kein wirklicher Zweck sondern eher eine Notwenidigkeit ist?
Seit ich hier baumele bleiben mir nur meine Gedanken, mich von den Stimmen abzulenken. Frustrierend ist, das sie nie zur Anwendung kommen werden. Ich kann sie nicht vererben, aufschreiben, herausschreien.
Niemand hat es je geschafft, dass jeder ihn mag. Wo aber bleibt die Konstanz? Warum kommt Enttäuschung immer aus allzu vertrauten Ecken. Oder ist es so, dass nur nahe Stehende im Stande sind über haupt so etwas wie Enttäuschung zu erzeugen? Ein Moment, wie der fehlende Kuss zum Abschied einer langen Beziehung? Neid, der wie ein Pickel wächst und zur Wahrung des eigenen Selbstbilds ausgedrückt werden muss?
Streben wir in allem immer nur nach Profit und wenn der ausbleibt heißt es abstoßen?
Können wir Dinge nicht einfach geschehen lassen? Müssen wir immer die Suppe bis zur Ungenießbarkeit überwürzen?
Die Not des Endes wie letzter Lippenstift vor dem Opernball. Wenn der Schnürsenkel reißt, ist der Stiefel vorerst nutzlos. Zur zweiten Wahl verkommen, wie eine einbeinige Bordsteinschwalbe. Die Frage nach dem Nutzen von Beständigkeit ist Schrödingers Katze der Zwischenmenschlichkeit.

(müsste K.)

Montag, 19. Dezember 2011

Das Wort zum vorletzten Montag

Die letzten zwei Wochen des Jahres brechen an und mir wird mulmig. Ich war nie ein großer Fan von guten Vorsätzen, auch weil sie immer genauso lange halten wie das Getränk, mit dem ich auf sie anstoße.
Nur irgendwann verdeckt der Berg an Problemen die Sonne und dann ist immer Winter, wer will das schon?
Mit der Gewissheit am Nullpunkt angekommen zu sein, alles verloren zu haben, in liebende Arme zu sinken ist ein gleichsam seltsames, wie erhabenes Gefühl.
Dieser ewig blöde Satz, dass man seine Träume leben soll, der stimmt leider. Man muss sie an den Eiern packen und wie eine Piniata an die Wand klatschen, schauen was in ihnen steckt und wie man da hin kommt. Ich bin in diesem Jahr nie meinem Kopf gefolgt, immer meinem Herzen und darüber habe ich festgestellt, dass das genauso dumm ist, wie ständig alles zu zerdenken. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Lösung.
Es gibt immernoch nichts besseres, als einen Kuss im warmen Regen und ein Lagerfeuer ist jeden Fernsehabend vorzuziehen. Wirklich, glauben Sie mir.
Für mich ist es wohl am wichtigsten geworden zu meinen Prinzipien zu stehen. Schweine werden immer Scheiße fressen müssen und deswegen immer Schweine bleiben.
Karma gibt es wirklich. Wir waren letztens auf einen Kaffee beim Bäcker. Ich soll Sie alle schön grüßen.
Die Vergangenheit ist wichtiger, als die Zukunft, wie die erste die zweite ermöglicht. Alt, ich weiß, aber wahr.
Ich sollte mich weniger auf meine Menschenkenntnis verlassen, man kann Bescheidenheit übertreiben und Hilfe annehmen ist keine Schande, "nein" sagen im übrigen auch nicht.
So kurz vor Weihnachten, habe ich noch immer keine Geschenke und das wird auch so bleiben. Ich bin durch damit. Ich will kein Lemming mehr sein, kann ich mir auch garnicht leisten. Wenn der christliche Glaube so funktionieren würde, wie die unendliche Geschichte, dann wäre der Himmel ein riesengroßer Saturn. Somit wird Prostitution zu einer Notwendigkeit. Ja sie ist sehr gerne gesehen. Alles bekommt sein eigenes Verfallsdatum eingeritzt. Alles ist auf Zeit gebaut. Das war schlimm zu erkennen. Aber ich lebe besser seit ich weiß, dass allzu weit in die Zukunft planen die heimtückischsten Luftschlösser baut.
Ich behalte fortan immer ein Stück meines Herzens für mich. Ich will im Stande sein zu gehen und nicht mehr einen Sack voller Scherben zum Basteln mitnehmen müssen.

Musen küssen schlecht. Vielmehr fühlt man sich angespuckt und abgeleckt.

(müsste K.)

Dienstag, 8. November 2011

Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren

Es scheint verwunderlich, dass ich so wenig vorbereitet war. Es kann wirklich viel Zeit verstreichen zwischen Schuld und Sühne. Das Knarzen der Klappe unter mir trifft mich wie ein Schlag, obwohl ich mir diesen Moment in allen Details ausgemalt hatte. Der Geist hat Grenzen. Solche, sich anderen völlig zu offenbaren und eben solche, sich eine Welt vorzustellen, die man noch nie betreten hat. Eine mit einem Strick um den Hals, eine in der Sekunden zu Stunden werden, eine kurz vor dem Ende.
Die Fantasie nach letzter Rettung (einer vermummten Gestalt, die einen Dolch durch den Strick schwingt oder ein zu Sinnen gekommener Staatsanwalt, der in letzter Sekunde ein verstaubtes Gesetz haltend, verschwitzt den Ort meiner Hinrichtung betritt) ist alles was ich habe um mir in diesen 4 Quadratmetern mintgrün noch so etwas wie eine Zukunft auszumalen.
Alle was bleibt ist der verzweifelte Versuch aus meinen Handfesseln zu schlüpfen, um mir ein letztes Mal vergebens an den Hals zu fassen. Leider hatte der Schafrichter die Fallhöhe zu niedrig berechnet und so brach mein Genick nicht, ich musste langsam ersticken. Vielleicht war es auch Absicht, wer einen solchen Beruf wählt, hat nicht viel für Menschen übrig. Unter der Maske stelle ich mir einen Mann, der in seiner Kindheit kleine Tiere gequält hat und wäre er einmal anders abgebogen, wäre er sicher selbst zum Mörder geworden, nicht zum Richter. Die letzten Sekunden, bevor das Licht erlischt frage ich mich nach dem Unterschied.
Über meinem blauen Kopf geht rot der Mond auf und bescheint diesen nassen Sack. Alle Muskeln sind entkrampft und geben den Säften freien Lauf. Kot und Urin rinnt mir aus jeder Pore, sammelt sich im Holztrog unter mir, der bald vom Bauer als Dung geholt wird. Ihr werdet tatsächlich meine Scheiße fressen.
Am nächsten Tag wundere ich mich über die Abweichung vom Protokoll. Sie schneiden mich nicht runter. Sie wollen mich hängen sehen.
Die Sonne weckt mich, denn man hat mich mit dem Blick nach Osten aufgehängt. So ist das üblich mit Mördern, so werden sie mich auch begraben, denn im Westen liegt das Ende, der Abschluss, die Erlösung - für die guten Toten - ich jedoch werde meine Körper nicht mehr verlassen. Warum ich das weiß? Weil nicht zugelassen wird, dass ich es je vergesse. Diese Stimme ist nach meiner gekommen, kurz nach meinem letzten Würgen war sie da. Gleichförmig spricht sie Mantras in mein Ohr, davon, wie es für mich weiter geht. Ich bin nur noch ein Gedanke in einem Ding auf dem die Fliegen spielen - die Hölle, von der keiner weiß.

Nach Tagen will einfach nur noch in die Kiste alleine anständig verfaulen. Die Stimmen sind täglich mehr geworden und jede versucht die andere zu überschreien. Unter mir flanieren Mütter mit ihren Bälgern und zeigen auf mich. Steine, Spucke, Stockschläge - ich fühle nichts, ich sehe nur.

Es wird Herbst. Noch erstaunlich viel ist von mir übrig, genug, um zu erkennen, dass hier ein Mensch hing. Ich wünsche nicht mehr oft, dass es vorbei geht. Vielmehr bin ich seit einiger Zeit gespannt, was wohl als nächstes kommt. Ob ich unter der Erde etwas wahrnehme, ob sie mich überhaupt begraben oder mich einfach in den nächsten Abort werfen.

Fortsetzung folgt.

(müsste K.)

Sonntag, 30. Oktober 2011

Fortsetzung folgt

Wenn man über längere Zeit zu tief ins Glas schaut, verfärbt sich der Stuhl. Zu viel Rotwein macht ihn grau, bei Bier wird er schwarz. Beim reudigen, reuhigen Blick in den Spiegel, flimmern die Kreisbewegungen des Spülstrudels vor meinen Augen und lassen die Gewissheit zurück, dass ich schon wieder seit 4 Tagen nichts gegessen habe.
Meine orale Fixierung beschränkt sich nunmehr auf mich in deinem Mund, denn ich bin in ein Alter gekommen, in dem ich es nicht mehr als nötig erachte jede nach Urin stinkende Muschi zu lecken, nur um nicht zu kurz zu kommen. Ich habe mein Leben zu oft überschätzt und hatte es zu oft so satt, als dass ich mich noch differenziert selbst belügen kann. Bleiben wir bei der Wahrheit: Ich hasse euch alle zu tiefst.

(müsste K.)