Mein erstes Buch:
Es ist vollbracht:
http://www.amazon.de/Ich-bin-die-Mauer-Gedichte/dp/3862376613/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1324465639&sr=8-1
Danke an alle, die das möglich gemacht haben!
(müsste K.)
[mk]
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren II
In jeder Kunst kann man Meister werden, sollte man aber nicht - in jeder. Nicht alles wird zur Tugend. Nicht alles trägt Früchte.
Verrat. Ich wurde verraten. Nicht wie ein Geheimnis, das man sich zuflüstert, nicht wie das Versteck von Anne Frank. Verschwiegendheit an der falschen Stelle. Reden wenn es nicht sein darf, wer blickt da noch durch? Ist ein Geheimnis in jedem Falle schützendwert oder gibt es ähnlich einer Notlüge auch eine Notwahrheit?
Ist also Verrat nicht per se schlimm. Heiligt hier der Zweck die Mittel, besonders wenn es kein wirklicher Zweck sondern eher eine Notwenidigkeit ist?
Seit ich hier baumele bleiben mir nur meine Gedanken, mich von den Stimmen abzulenken. Frustrierend ist, das sie nie zur Anwendung kommen werden. Ich kann sie nicht vererben, aufschreiben, herausschreien.
Niemand hat es je geschafft, dass jeder ihn mag. Wo aber bleibt die Konstanz? Warum kommt Enttäuschung immer aus allzu vertrauten Ecken. Oder ist es so, dass nur nahe Stehende im Stande sind über haupt so etwas wie Enttäuschung zu erzeugen? Ein Moment, wie der fehlende Kuss zum Abschied einer langen Beziehung? Neid, der wie ein Pickel wächst und zur Wahrung des eigenen Selbstbilds ausgedrückt werden muss?
Streben wir in allem immer nur nach Profit und wenn der ausbleibt heißt es abstoßen?
Können wir Dinge nicht einfach geschehen lassen? Müssen wir immer die Suppe bis zur Ungenießbarkeit überwürzen?
Die Not des Endes wie letzter Lippenstift vor dem Opernball. Wenn der Schnürsenkel reißt, ist der Stiefel vorerst nutzlos. Zur zweiten Wahl verkommen, wie eine einbeinige Bordsteinschwalbe. Die Frage nach dem Nutzen von Beständigkeit ist Schrödingers Katze der Zwischenmenschlichkeit.
(müsste K.)
Verrat. Ich wurde verraten. Nicht wie ein Geheimnis, das man sich zuflüstert, nicht wie das Versteck von Anne Frank. Verschwiegendheit an der falschen Stelle. Reden wenn es nicht sein darf, wer blickt da noch durch? Ist ein Geheimnis in jedem Falle schützendwert oder gibt es ähnlich einer Notlüge auch eine Notwahrheit?
Ist also Verrat nicht per se schlimm. Heiligt hier der Zweck die Mittel, besonders wenn es kein wirklicher Zweck sondern eher eine Notwenidigkeit ist?
Seit ich hier baumele bleiben mir nur meine Gedanken, mich von den Stimmen abzulenken. Frustrierend ist, das sie nie zur Anwendung kommen werden. Ich kann sie nicht vererben, aufschreiben, herausschreien.
Niemand hat es je geschafft, dass jeder ihn mag. Wo aber bleibt die Konstanz? Warum kommt Enttäuschung immer aus allzu vertrauten Ecken. Oder ist es so, dass nur nahe Stehende im Stande sind über haupt so etwas wie Enttäuschung zu erzeugen? Ein Moment, wie der fehlende Kuss zum Abschied einer langen Beziehung? Neid, der wie ein Pickel wächst und zur Wahrung des eigenen Selbstbilds ausgedrückt werden muss?
Streben wir in allem immer nur nach Profit und wenn der ausbleibt heißt es abstoßen?
Können wir Dinge nicht einfach geschehen lassen? Müssen wir immer die Suppe bis zur Ungenießbarkeit überwürzen?
Die Not des Endes wie letzter Lippenstift vor dem Opernball. Wenn der Schnürsenkel reißt, ist der Stiefel vorerst nutzlos. Zur zweiten Wahl verkommen, wie eine einbeinige Bordsteinschwalbe. Die Frage nach dem Nutzen von Beständigkeit ist Schrödingers Katze der Zwischenmenschlichkeit.
(müsste K.)
Montag, 19. Dezember 2011
Das Wort zum vorletzten Montag
Die letzten zwei Wochen des Jahres brechen an und mir wird mulmig. Ich war nie ein großer Fan von guten Vorsätzen, auch weil sie immer genauso lange halten wie das Getränk, mit dem ich auf sie anstoße.
Nur irgendwann verdeckt der Berg an Problemen die Sonne und dann ist immer Winter, wer will das schon?
Mit der Gewissheit am Nullpunkt angekommen zu sein, alles verloren zu haben, in liebende Arme zu sinken ist ein gleichsam seltsames, wie erhabenes Gefühl.
Dieser ewig blöde Satz, dass man seine Träume leben soll, der stimmt leider. Man muss sie an den Eiern packen und wie eine Piniata an die Wand klatschen, schauen was in ihnen steckt und wie man da hin kommt. Ich bin in diesem Jahr nie meinem Kopf gefolgt, immer meinem Herzen und darüber habe ich festgestellt, dass das genauso dumm ist, wie ständig alles zu zerdenken. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Lösung.
Es gibt immernoch nichts besseres, als einen Kuss im warmen Regen und ein Lagerfeuer ist jeden Fernsehabend vorzuziehen. Wirklich, glauben Sie mir.
Für mich ist es wohl am wichtigsten geworden zu meinen Prinzipien zu stehen. Schweine werden immer Scheiße fressen müssen und deswegen immer Schweine bleiben.
Karma gibt es wirklich. Wir waren letztens auf einen Kaffee beim Bäcker. Ich soll Sie alle schön grüßen.
Die Vergangenheit ist wichtiger, als die Zukunft, wie die erste die zweite ermöglicht. Alt, ich weiß, aber wahr.
Ich sollte mich weniger auf meine Menschenkenntnis verlassen, man kann Bescheidenheit übertreiben und Hilfe annehmen ist keine Schande, "nein" sagen im übrigen auch nicht.
So kurz vor Weihnachten, habe ich noch immer keine Geschenke und das wird auch so bleiben. Ich bin durch damit. Ich will kein Lemming mehr sein, kann ich mir auch garnicht leisten. Wenn der christliche Glaube so funktionieren würde, wie die unendliche Geschichte, dann wäre der Himmel ein riesengroßer Saturn. Somit wird Prostitution zu einer Notwendigkeit. Ja sie ist sehr gerne gesehen. Alles bekommt sein eigenes Verfallsdatum eingeritzt. Alles ist auf Zeit gebaut. Das war schlimm zu erkennen. Aber ich lebe besser seit ich weiß, dass allzu weit in die Zukunft planen die heimtückischsten Luftschlösser baut.
Ich behalte fortan immer ein Stück meines Herzens für mich. Ich will im Stande sein zu gehen und nicht mehr einen Sack voller Scherben zum Basteln mitnehmen müssen.
Musen küssen schlecht. Vielmehr fühlt man sich angespuckt und abgeleckt.
(müsste K.)
Nur irgendwann verdeckt der Berg an Problemen die Sonne und dann ist immer Winter, wer will das schon?
Mit der Gewissheit am Nullpunkt angekommen zu sein, alles verloren zu haben, in liebende Arme zu sinken ist ein gleichsam seltsames, wie erhabenes Gefühl.
Dieser ewig blöde Satz, dass man seine Träume leben soll, der stimmt leider. Man muss sie an den Eiern packen und wie eine Piniata an die Wand klatschen, schauen was in ihnen steckt und wie man da hin kommt. Ich bin in diesem Jahr nie meinem Kopf gefolgt, immer meinem Herzen und darüber habe ich festgestellt, dass das genauso dumm ist, wie ständig alles zu zerdenken. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Lösung.
Es gibt immernoch nichts besseres, als einen Kuss im warmen Regen und ein Lagerfeuer ist jeden Fernsehabend vorzuziehen. Wirklich, glauben Sie mir.
Für mich ist es wohl am wichtigsten geworden zu meinen Prinzipien zu stehen. Schweine werden immer Scheiße fressen müssen und deswegen immer Schweine bleiben.
Karma gibt es wirklich. Wir waren letztens auf einen Kaffee beim Bäcker. Ich soll Sie alle schön grüßen.
Die Vergangenheit ist wichtiger, als die Zukunft, wie die erste die zweite ermöglicht. Alt, ich weiß, aber wahr.
Ich sollte mich weniger auf meine Menschenkenntnis verlassen, man kann Bescheidenheit übertreiben und Hilfe annehmen ist keine Schande, "nein" sagen im übrigen auch nicht.
So kurz vor Weihnachten, habe ich noch immer keine Geschenke und das wird auch so bleiben. Ich bin durch damit. Ich will kein Lemming mehr sein, kann ich mir auch garnicht leisten. Wenn der christliche Glaube so funktionieren würde, wie die unendliche Geschichte, dann wäre der Himmel ein riesengroßer Saturn. Somit wird Prostitution zu einer Notwendigkeit. Ja sie ist sehr gerne gesehen. Alles bekommt sein eigenes Verfallsdatum eingeritzt. Alles ist auf Zeit gebaut. Das war schlimm zu erkennen. Aber ich lebe besser seit ich weiß, dass allzu weit in die Zukunft planen die heimtückischsten Luftschlösser baut.
Ich behalte fortan immer ein Stück meines Herzens für mich. Ich will im Stande sein zu gehen und nicht mehr einen Sack voller Scherben zum Basteln mitnehmen müssen.
Musen küssen schlecht. Vielmehr fühlt man sich angespuckt und abgeleckt.
(müsste K.)
Dienstag, 8. November 2011
Wenn wir nicht sterben - des Gehängten Memoiren
Es scheint verwunderlich, dass ich so wenig vorbereitet war. Es kann wirklich viel Zeit verstreichen zwischen Schuld und Sühne. Das Knarzen der Klappe unter mir trifft mich wie ein Schlag, obwohl ich mir diesen Moment in allen Details ausgemalt hatte. Der Geist hat Grenzen. Solche, sich anderen völlig zu offenbaren und eben solche, sich eine Welt vorzustellen, die man noch nie betreten hat. Eine mit einem Strick um den Hals, eine in der Sekunden zu Stunden werden, eine kurz vor dem Ende.
Die Fantasie nach letzter Rettung (einer vermummten Gestalt, die einen Dolch durch den Strick schwingt oder ein zu Sinnen gekommener Staatsanwalt, der in letzter Sekunde ein verstaubtes Gesetz haltend, verschwitzt den Ort meiner Hinrichtung betritt) ist alles was ich habe um mir in diesen 4 Quadratmetern mintgrün noch so etwas wie eine Zukunft auszumalen.
Alle was bleibt ist der verzweifelte Versuch aus meinen Handfesseln zu schlüpfen, um mir ein letztes Mal vergebens an den Hals zu fassen. Leider hatte der Schafrichter die Fallhöhe zu niedrig berechnet und so brach mein Genick nicht, ich musste langsam ersticken. Vielleicht war es auch Absicht, wer einen solchen Beruf wählt, hat nicht viel für Menschen übrig. Unter der Maske stelle ich mir einen Mann, der in seiner Kindheit kleine Tiere gequält hat und wäre er einmal anders abgebogen, wäre er sicher selbst zum Mörder geworden, nicht zum Richter. Die letzten Sekunden, bevor das Licht erlischt frage ich mich nach dem Unterschied.
Über meinem blauen Kopf geht rot der Mond auf und bescheint diesen nassen Sack. Alle Muskeln sind entkrampft und geben den Säften freien Lauf. Kot und Urin rinnt mir aus jeder Pore, sammelt sich im Holztrog unter mir, der bald vom Bauer als Dung geholt wird. Ihr werdet tatsächlich meine Scheiße fressen.
Am nächsten Tag wundere ich mich über die Abweichung vom Protokoll. Sie schneiden mich nicht runter. Sie wollen mich hängen sehen.
Die Sonne weckt mich, denn man hat mich mit dem Blick nach Osten aufgehängt. So ist das üblich mit Mördern, so werden sie mich auch begraben, denn im Westen liegt das Ende, der Abschluss, die Erlösung - für die guten Toten - ich jedoch werde meine Körper nicht mehr verlassen. Warum ich das weiß? Weil nicht zugelassen wird, dass ich es je vergesse. Diese Stimme ist nach meiner gekommen, kurz nach meinem letzten Würgen war sie da. Gleichförmig spricht sie Mantras in mein Ohr, davon, wie es für mich weiter geht. Ich bin nur noch ein Gedanke in einem Ding auf dem die Fliegen spielen - die Hölle, von der keiner weiß.
Nach Tagen will einfach nur noch in die Kiste alleine anständig verfaulen. Die Stimmen sind täglich mehr geworden und jede versucht die andere zu überschreien. Unter mir flanieren Mütter mit ihren Bälgern und zeigen auf mich. Steine, Spucke, Stockschläge - ich fühle nichts, ich sehe nur.
Es wird Herbst. Noch erstaunlich viel ist von mir übrig, genug, um zu erkennen, dass hier ein Mensch hing. Ich wünsche nicht mehr oft, dass es vorbei geht. Vielmehr bin ich seit einiger Zeit gespannt, was wohl als nächstes kommt. Ob ich unter der Erde etwas wahrnehme, ob sie mich überhaupt begraben oder mich einfach in den nächsten Abort werfen.
Fortsetzung folgt.
(müsste K.)
Die Fantasie nach letzter Rettung (einer vermummten Gestalt, die einen Dolch durch den Strick schwingt oder ein zu Sinnen gekommener Staatsanwalt, der in letzter Sekunde ein verstaubtes Gesetz haltend, verschwitzt den Ort meiner Hinrichtung betritt) ist alles was ich habe um mir in diesen 4 Quadratmetern mintgrün noch so etwas wie eine Zukunft auszumalen.
Alle was bleibt ist der verzweifelte Versuch aus meinen Handfesseln zu schlüpfen, um mir ein letztes Mal vergebens an den Hals zu fassen. Leider hatte der Schafrichter die Fallhöhe zu niedrig berechnet und so brach mein Genick nicht, ich musste langsam ersticken. Vielleicht war es auch Absicht, wer einen solchen Beruf wählt, hat nicht viel für Menschen übrig. Unter der Maske stelle ich mir einen Mann, der in seiner Kindheit kleine Tiere gequält hat und wäre er einmal anders abgebogen, wäre er sicher selbst zum Mörder geworden, nicht zum Richter. Die letzten Sekunden, bevor das Licht erlischt frage ich mich nach dem Unterschied.
Über meinem blauen Kopf geht rot der Mond auf und bescheint diesen nassen Sack. Alle Muskeln sind entkrampft und geben den Säften freien Lauf. Kot und Urin rinnt mir aus jeder Pore, sammelt sich im Holztrog unter mir, der bald vom Bauer als Dung geholt wird. Ihr werdet tatsächlich meine Scheiße fressen.
Am nächsten Tag wundere ich mich über die Abweichung vom Protokoll. Sie schneiden mich nicht runter. Sie wollen mich hängen sehen.
Die Sonne weckt mich, denn man hat mich mit dem Blick nach Osten aufgehängt. So ist das üblich mit Mördern, so werden sie mich auch begraben, denn im Westen liegt das Ende, der Abschluss, die Erlösung - für die guten Toten - ich jedoch werde meine Körper nicht mehr verlassen. Warum ich das weiß? Weil nicht zugelassen wird, dass ich es je vergesse. Diese Stimme ist nach meiner gekommen, kurz nach meinem letzten Würgen war sie da. Gleichförmig spricht sie Mantras in mein Ohr, davon, wie es für mich weiter geht. Ich bin nur noch ein Gedanke in einem Ding auf dem die Fliegen spielen - die Hölle, von der keiner weiß.
Nach Tagen will einfach nur noch in die Kiste alleine anständig verfaulen. Die Stimmen sind täglich mehr geworden und jede versucht die andere zu überschreien. Unter mir flanieren Mütter mit ihren Bälgern und zeigen auf mich. Steine, Spucke, Stockschläge - ich fühle nichts, ich sehe nur.
Es wird Herbst. Noch erstaunlich viel ist von mir übrig, genug, um zu erkennen, dass hier ein Mensch hing. Ich wünsche nicht mehr oft, dass es vorbei geht. Vielmehr bin ich seit einiger Zeit gespannt, was wohl als nächstes kommt. Ob ich unter der Erde etwas wahrnehme, ob sie mich überhaupt begraben oder mich einfach in den nächsten Abort werfen.
Fortsetzung folgt.
(müsste K.)
Sonntag, 30. Oktober 2011
Fortsetzung folgt
Wenn man über längere Zeit zu tief ins Glas schaut, verfärbt sich der Stuhl. Zu viel Rotwein macht ihn grau, bei Bier wird er schwarz. Beim reudigen, reuhigen Blick in den Spiegel, flimmern die Kreisbewegungen des Spülstrudels vor meinen Augen und lassen die Gewissheit zurück, dass ich schon wieder seit 4 Tagen nichts gegessen habe.
Meine orale Fixierung beschränkt sich nunmehr auf mich in deinem Mund, denn ich bin in ein Alter gekommen, in dem ich es nicht mehr als nötig erachte jede nach Urin stinkende Muschi zu lecken, nur um nicht zu kurz zu kommen. Ich habe mein Leben zu oft überschätzt und hatte es zu oft so satt, als dass ich mich noch differenziert selbst belügen kann. Bleiben wir bei der Wahrheit: Ich hasse euch alle zu tiefst.
(müsste K.)
Meine orale Fixierung beschränkt sich nunmehr auf mich in deinem Mund, denn ich bin in ein Alter gekommen, in dem ich es nicht mehr als nötig erachte jede nach Urin stinkende Muschi zu lecken, nur um nicht zu kurz zu kommen. Ich habe mein Leben zu oft überschätzt und hatte es zu oft so satt, als dass ich mich noch differenziert selbst belügen kann. Bleiben wir bei der Wahrheit: Ich hasse euch alle zu tiefst.
(müsste K.)
Freitag, 21. Oktober 2011
Sie nicht sauer, grüne Fee
Du bist seit Jahren meine ständige Begleiterin gewesen. Wir haben getanzt und geschwiegen, geliebt und, was das wichtigste ist, geschrieben. Bald hattest du mich so eingenommen, dass ich im Bewußtsein lebte, das nur mit dir tun zu können. An diesen Abenden hast du mich immer bewußtlos gemacht. Ich kam an den unmöglichsten Orten zu mir und du warst fort. Ich lief durch die Straßen mit der Hand am Kopf, so, wie man sich immer die Hand an die schmerzende Stelle hält, sie wärmt, damit es besser wird. Das war nicht schlimm, denn nicht alle Tage waren so. Nicht immer haben wir getanzt oder geschrieben.
Bis ich mich dazu entschloss, nichts mehr anderes zu tun. Ich goss dich in Gläser, trank dich aus Kelchen und Flaschen. Du gabst mir eine Geschichte, einen Faden, der am nächsten Morgen so zerstückelt und zusammenhangslos vor mir lag, dass ich noch vor dem ersten Kaffee wieder von dir nahm, um in den Rauch gehen zu können, aus dem ich nachts zuvor in den Schlaf entschwandt.
Wenn ich am Nachmittag den Stift nicht mehr halten konnte, nahmst du mich in den Arm, so konnte ich wenigstens noch meinen Schmerz vergessen. Die Welt war ungerecht, die Schulden wuchsen und bei jedem unbekannten Geräusch zuckte ich zusammen. Ich lebte in Angst erwischt zu werden, nahm mehr von dir, drehte mich im Kreis.
Mir wurde von dir abgeraten. Du würdest mir den Verstand nehmen, sagten sie. Ich glaubte ihnen nicht, du warst so gut zu mir.
Ich bekam nicht mit, wie du mich aussaugtest, dir doch irgendwie deinen Lohn holtest. Ohne dich zitterte ich mich übellaunig durch die Welt, ich konnte dich nicht mehr bezahlen. Ich war allein, bis zum nächsten bisschen Geld, dem nächsten gütigen Spender, den Resten, die ich auf Fensterbrettern, in Nischen, unter Tischen fand.
So scgwer es mir fällt, teure Freundin, muss ich lebwohl sagen. Ich weiß, wir sind weit zusammen gegangen. Du hast mich mein halbes Leben begleitet und ich bin dankbar für alles, was du mir gezeigt hast. Du weißt, zuletzthatte ich noch gedacht gedacht, dass ohne dich leben, sterben bedeutet. Warst du nicht da, verbrachte ich Stunden auf hohen Dächern oder damit nach gewichthaltenden Stellen in meiner Wohnung oder auf dem Dachboden zu suchen.
Ich bin nun aus diesem Schlaf erwacht, nein, ich wurde heraus gerissen. Jetzt bin ich seit Tagen dabei, aus den Resten, die von mir noch geblieben sind, eine Leiter zu schnitzen, die mich trägt und lang genug ist, um auf ihr aus diesem Loch, ich das du - denn das weiß ich jetzt - gebracht hast, heraus zu klettern.
Es wird sicher Jahre dauern, dich zu vergessen und diesen Scherbenhaufen zusammen zu kleben. Bitte vergiss mich, grüne Fee. Du wirst neue Freunde finden, doch unsere Wege trennen sich hier.
Gehab dich wohl,
(müsste K.)
Bis ich mich dazu entschloss, nichts mehr anderes zu tun. Ich goss dich in Gläser, trank dich aus Kelchen und Flaschen. Du gabst mir eine Geschichte, einen Faden, der am nächsten Morgen so zerstückelt und zusammenhangslos vor mir lag, dass ich noch vor dem ersten Kaffee wieder von dir nahm, um in den Rauch gehen zu können, aus dem ich nachts zuvor in den Schlaf entschwandt.
Wenn ich am Nachmittag den Stift nicht mehr halten konnte, nahmst du mich in den Arm, so konnte ich wenigstens noch meinen Schmerz vergessen. Die Welt war ungerecht, die Schulden wuchsen und bei jedem unbekannten Geräusch zuckte ich zusammen. Ich lebte in Angst erwischt zu werden, nahm mehr von dir, drehte mich im Kreis.
Mir wurde von dir abgeraten. Du würdest mir den Verstand nehmen, sagten sie. Ich glaubte ihnen nicht, du warst so gut zu mir.
Ich bekam nicht mit, wie du mich aussaugtest, dir doch irgendwie deinen Lohn holtest. Ohne dich zitterte ich mich übellaunig durch die Welt, ich konnte dich nicht mehr bezahlen. Ich war allein, bis zum nächsten bisschen Geld, dem nächsten gütigen Spender, den Resten, die ich auf Fensterbrettern, in Nischen, unter Tischen fand.
So scgwer es mir fällt, teure Freundin, muss ich lebwohl sagen. Ich weiß, wir sind weit zusammen gegangen. Du hast mich mein halbes Leben begleitet und ich bin dankbar für alles, was du mir gezeigt hast. Du weißt, zuletzthatte ich noch gedacht gedacht, dass ohne dich leben, sterben bedeutet. Warst du nicht da, verbrachte ich Stunden auf hohen Dächern oder damit nach gewichthaltenden Stellen in meiner Wohnung oder auf dem Dachboden zu suchen.
Ich bin nun aus diesem Schlaf erwacht, nein, ich wurde heraus gerissen. Jetzt bin ich seit Tagen dabei, aus den Resten, die von mir noch geblieben sind, eine Leiter zu schnitzen, die mich trägt und lang genug ist, um auf ihr aus diesem Loch, ich das du - denn das weiß ich jetzt - gebracht hast, heraus zu klettern.
Es wird sicher Jahre dauern, dich zu vergessen und diesen Scherbenhaufen zusammen zu kleben. Bitte vergiss mich, grüne Fee. Du wirst neue Freunde finden, doch unsere Wege trennen sich hier.
Gehab dich wohl,
(müsste K.)
Montag, 17. Oktober 2011
Maschen und Muster
Mein Denken, meine Vorstellung, von dem, wie alles ist, besteht in Bildern. Das ist praktisch, denn wie in einer Diashow, vom letzten Urlaub meiner Tante, kann ich mich aus einer unangenehmen Situation, etwa Tante Rita am Ende der Wasserrutsche, wenn ihr das Top ihres Bikinis nur noch die Nase verdeckt, in eine schönere retten, das nächste Dia, im besten Fall.
Sitze ich also an einem Tisch, das Gespräch ignorierend, bin ich im Kopf, in meiner eigenen Geisterbahn und zeichne mir selbst eine Ablenkung.
Gestern kam mir das Bild einer Halle in den Kopf, darüber, daneben und darunter waren weitere dieser Hallen. Warum es nicht nur eine riesige war, lag wohl an der Statik. Alle diese Hallen waren voller Menschen, jeder Generation und Art. Säuglinge, Draufgänger, graue Mäuschen, Gabelstaplerfahrer, Anwälte und Mörder.
Vor ihnen allen stand ein Webstuhl. Sie woben ihr Leben mit unterschiedlichem Geschick und Eifer. Der Raum, so wie wohl auch die anderen war erfüllt von Geräuschen menschlicher Emotion. Ich ging durch die Halle und hielt immer bei jenen, die ich gerade eben oder kurz zuvor gehört hatte. An denen, die stoisch auf ihrem Hocker saßen, die Nadel im Arm, oder die Krawatte zu eng, ging ich nur kurz schauend vorbei, denn ihr Gewebe glich sich zu stark.
Ich erkannte, dass alle das gleiche Garn zu nutzen im Stande waren. Jede Farbe, Dicke und Qualität bedeuteten etwas anderes. Ich will nicht sagen, ob jeder die gleiche Menge davon hatte, denn das würde die Vorstellung der Beeinflussbarkeit von Tod und somit die Existenz von Kismet in starke Konkurrenz treten lassen.
Obwohl ich nicht alles durchschauen konnte, war mir doch aufgefallen, wie dünn im Faden die außerhalb dieses Bildes anerkannten Werte, hier vertreten waren und wie wenig unterteilt. So gab es zum Beispiel nur einen Faden für Freundschaft und Liebe. Hass, Rache, eben alle niederträchtigen Gefühle, die Handlungen nach sich ziehen konnten, waren giftige Grüntöne.
Um Personen und Handlungen zu verbinden, musste nur der Faden der Person mit dem des Gefühls verwoben werden. Simpel.
An solchen Webstühlen, an denen Menschen weinten oder jubelten, fiel mir auf, dass es davon zwei Arten gab: die, die vor ungeplanten Maschen saßen und mit der Schere versuchten, noch das letzte zu retten und die, vor den sich von oben nach unten, bis vor ihren Bauch ein umgekehrtes Geäst ausbreitete, bei dem alle Verzweigungen logisch - wenn auch so kompliziert, wie der Ausweg aus einem großen Irrgarten - unweigerlich auf den Weber zuliefen und eben Trauer oder Freude bedeuteten. Hier unterschied sich der plötzliche Unfalltod des Gatten oder die Lottomillion von der gut durchdachten Sterbehilfe des Onkels oder der lange geplanten Beförderung. Ich verbrachte zwar nur einige Stunden hier, doch mir war plötzlich sehr bewusst, dass wohl jeder dieser Weber schon auf beiden Seiten stand oder stehen würde. Denn eines schien sicher: das Garn war tückisch.
Ob sie nun aber zum zusammengekauert, an Fingernägeln kauernd auf ihren ungemütlichen Holzhockern saßen und nichts taten oder entspannt und beharrlich Faden für Faden zusammenfügten, war ihnen doch eines gleich: die vergangenen Stunden und Tage waren über dem Webstuhl aufgerollt, verschieden stark, verschieden bunt.
Genau wie der Anfang, war das Ende eines jeden Webstücks ungesäumt, einige Fäden, Möglichkeiten, die sich im Sande verliefen, hingen rechts und links am Webstück hinunter. Angefangen mit einem einzelnen Faden, hing dieser am Ende vom Windhauch bewegt an der Rolle hinunter, während diese in der Decke verschwand und mit einem Plopps das nächste, kleine und noch von Blut verschmierte Wesen auf dem Hocker Platz fand, dem Ort an dem es seine ungezählte Zeit fristen würde, die Ärmchen noch nicht lang genug, alle Funktionen steuern zu können, zunächst würde es passiv bleiben müssen, frei Plätze schien es nicht zu geben. In dieser Fabrik, war erst Feierabend, wenn die Arbeit getan war.
Ich wurde abgelenkt und musste plötzlich an Selbsthilfebücher denken, in denen geraten wurde, sich eine Auszeit vom Leben zu nehmen und dadurch, dieses wirklich zu nutzen. Spontan zu sein und auch mal nicht an Morgen zu denken. Als ob!
Es erinnert sich vielleicht noch einer an die Opel-Werbung, auf der das Auto auf Schienen fuhr. Fortwährende Bewegung auf einer Spur bringt so viel Sicherheit. Wie Hunde in der Rennbahn, die dem falschen Hasen folgen. Im Blutrausch gefangen, zum Scheitern verurteilt. Wer einmal den Hasen fängt, rennt nicht mehr. Erfolg ist das Ende von Sehnen und der Anfang von neuen Zielen, nur weil man sich etwas erfüllt, muss das nicht das Ende der Welt sein, aber das muss man wissen.
(müsste K.)
Sitze ich also an einem Tisch, das Gespräch ignorierend, bin ich im Kopf, in meiner eigenen Geisterbahn und zeichne mir selbst eine Ablenkung.
Gestern kam mir das Bild einer Halle in den Kopf, darüber, daneben und darunter waren weitere dieser Hallen. Warum es nicht nur eine riesige war, lag wohl an der Statik. Alle diese Hallen waren voller Menschen, jeder Generation und Art. Säuglinge, Draufgänger, graue Mäuschen, Gabelstaplerfahrer, Anwälte und Mörder.
Vor ihnen allen stand ein Webstuhl. Sie woben ihr Leben mit unterschiedlichem Geschick und Eifer. Der Raum, so wie wohl auch die anderen war erfüllt von Geräuschen menschlicher Emotion. Ich ging durch die Halle und hielt immer bei jenen, die ich gerade eben oder kurz zuvor gehört hatte. An denen, die stoisch auf ihrem Hocker saßen, die Nadel im Arm, oder die Krawatte zu eng, ging ich nur kurz schauend vorbei, denn ihr Gewebe glich sich zu stark.
Ich erkannte, dass alle das gleiche Garn zu nutzen im Stande waren. Jede Farbe, Dicke und Qualität bedeuteten etwas anderes. Ich will nicht sagen, ob jeder die gleiche Menge davon hatte, denn das würde die Vorstellung der Beeinflussbarkeit von Tod und somit die Existenz von Kismet in starke Konkurrenz treten lassen.
Obwohl ich nicht alles durchschauen konnte, war mir doch aufgefallen, wie dünn im Faden die außerhalb dieses Bildes anerkannten Werte, hier vertreten waren und wie wenig unterteilt. So gab es zum Beispiel nur einen Faden für Freundschaft und Liebe. Hass, Rache, eben alle niederträchtigen Gefühle, die Handlungen nach sich ziehen konnten, waren giftige Grüntöne.
Um Personen und Handlungen zu verbinden, musste nur der Faden der Person mit dem des Gefühls verwoben werden. Simpel.
An solchen Webstühlen, an denen Menschen weinten oder jubelten, fiel mir auf, dass es davon zwei Arten gab: die, die vor ungeplanten Maschen saßen und mit der Schere versuchten, noch das letzte zu retten und die, vor den sich von oben nach unten, bis vor ihren Bauch ein umgekehrtes Geäst ausbreitete, bei dem alle Verzweigungen logisch - wenn auch so kompliziert, wie der Ausweg aus einem großen Irrgarten - unweigerlich auf den Weber zuliefen und eben Trauer oder Freude bedeuteten. Hier unterschied sich der plötzliche Unfalltod des Gatten oder die Lottomillion von der gut durchdachten Sterbehilfe des Onkels oder der lange geplanten Beförderung. Ich verbrachte zwar nur einige Stunden hier, doch mir war plötzlich sehr bewusst, dass wohl jeder dieser Weber schon auf beiden Seiten stand oder stehen würde. Denn eines schien sicher: das Garn war tückisch.
Ob sie nun aber zum zusammengekauert, an Fingernägeln kauernd auf ihren ungemütlichen Holzhockern saßen und nichts taten oder entspannt und beharrlich Faden für Faden zusammenfügten, war ihnen doch eines gleich: die vergangenen Stunden und Tage waren über dem Webstuhl aufgerollt, verschieden stark, verschieden bunt.
Genau wie der Anfang, war das Ende eines jeden Webstücks ungesäumt, einige Fäden, Möglichkeiten, die sich im Sande verliefen, hingen rechts und links am Webstück hinunter. Angefangen mit einem einzelnen Faden, hing dieser am Ende vom Windhauch bewegt an der Rolle hinunter, während diese in der Decke verschwand und mit einem Plopps das nächste, kleine und noch von Blut verschmierte Wesen auf dem Hocker Platz fand, dem Ort an dem es seine ungezählte Zeit fristen würde, die Ärmchen noch nicht lang genug, alle Funktionen steuern zu können, zunächst würde es passiv bleiben müssen, frei Plätze schien es nicht zu geben. In dieser Fabrik, war erst Feierabend, wenn die Arbeit getan war.
Ich wurde abgelenkt und musste plötzlich an Selbsthilfebücher denken, in denen geraten wurde, sich eine Auszeit vom Leben zu nehmen und dadurch, dieses wirklich zu nutzen. Spontan zu sein und auch mal nicht an Morgen zu denken. Als ob!
Es erinnert sich vielleicht noch einer an die Opel-Werbung, auf der das Auto auf Schienen fuhr. Fortwährende Bewegung auf einer Spur bringt so viel Sicherheit. Wie Hunde in der Rennbahn, die dem falschen Hasen folgen. Im Blutrausch gefangen, zum Scheitern verurteilt. Wer einmal den Hasen fängt, rennt nicht mehr. Erfolg ist das Ende von Sehnen und der Anfang von neuen Zielen, nur weil man sich etwas erfüllt, muss das nicht das Ende der Welt sein, aber das muss man wissen.
(müsste K.)
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